Für und Wider zum Pumpspeicherkraftwerk

Endgültige Bewertung zurzeit nicht möglich

Hoch schlagen zum Teil die Emotionen bei den Fragen um das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Rursee. De facto befinden wir uns zum jetzigen Zeitpunkt allerdings erst in verschiedenen Planungsverfahren, will heißen, dass diverse Fragen noch gar nicht annähernd abschließend beantwortet werden können.

Bisher wurde den Schritten zur Machbarkeitsprüfung und den damit zusammenhängenden Konditionen (z.B. Änderung Regionalplanung) mit breiter Mehrheit zugestimmt. Viele Antworten werden erst die aus diesen Beschlüssen resultierenden Berichte und Gutachten bringen. Und damit wird die Grundlage für eine Entscheidung auch erst so valide, dass man Für und Wider besser gegeneinander aufwiegen kann. Der Heimbacher Stadtrat mit seinem übereilten Votum gegen das Pumpspeicherkraftwerk macht es sich vielleicht etwas zu einfach. Denn wir sind nicht grundsätzlich gegen das Pumpspeicherkraftwerk, wir halten es da mehr mit konstruktiver Auseinandersetzung wie zuletzt die Gemeinschaft der Sportvereine Rursee, der immerhin ca. 4.000 Nutzer des Rursees vertritt (Download hier), wenn wir auch darüber hinaus gehende Aspekte ebenfalls in den Blick nehmen müssen.

Neben der Grundsatzfrage, ob wir ein solches Pumpspeicherkraftwerk überhaupt haben wollen (ggf. verbunden mit der Problematik „Energiewende ja, aber Lösung der damit verbundenen Probleme nicht durch unsere Unterstützung bzw. vor unserer Haustüre“), stellt sich auch die Frage, ob das Setzen auf so alte Technik tatsächlich noch zeitgemäß ist. Das Kraftwerk verfolgt einzig und alleine das Ziel, zu Spitzenzeiten Strom liefern zu können und diesen dann zu möglichst hohen Konditionen zu verkaufen. Dazu wird vorher zu Zeiten günstiger Strompreise Wasser in das Oberbecken gepumpt. Beim anschließenden Ablassen des Wassers wird über Turbinen beim Wiederbefüllen des Rursees dann wieder Strom produziert. In Summe wird allerdings mehr Strom verbraucht als später gewonnen. Vielleicht muss man hier aber auch eine andere Betrachtung als die reine Strombilanz heranziehen. Denn bei der gewollten Ernergiewende wird in erheblichem Umfang durch Sonne und Wind Strom erzeugt, der nicht unbedingt immer in voller Höhe gebraucht wird. Wohin also dann damit? Und nach Sonnenuntergang sowie bei Windstille wird auch Strom gebraucht. Hierfür muss dann ein konventionellen Kraftwerk gebaut/vorgehalten werden. Wenn diese Schwankungen mit einem Pumpspeicherkraftwerk aufgefangen werden können, sieht die Rechnung schon ganz anders aus und selbst die „Energievernichtung“ relativiert sich.
Ist die erste Frage noch vor Ort zu entscheiden, müssen Industrie und Bundespolitik eine Antwort auf die zweite Frage formulieren.

Die Politik vor Ort muss mehr die speziellen Anliegen aus Nideggen, aber auch die sich ggf. ergebenden Auswirkungen der Veränderungen in den Nachbarkommunen (Heimbach und Simmerath) bewerten. Gerade die Tourismusfrage muss aus ganz speziellem Blickwinkel betrachtet werden. Denn vielleicht spielen die auswärtigen Nutzer des Eschauel bei Fragen nach Umsätzen in Schmidt durch Übernachtung, Einkäufe o.ä. nicht die große Rolle, vielleicht kehren aber gerade die Rursee-Tages- und -Mehrtagestouristen bei ihren Erkundungen des Rursees auch in Nideggen und Schmidt ein. Die von manchen hochgespielten Fragestellungen um die Steganlagen sind dagegen schnell geklärt (es gibt technische Lösungen), genauso die um die Bademöglichkeiten am Eschauel. Was aber, wenn durch den teils doch enormen Hub unsere Badegäste erst einmal über Stege o.ä. durch eine „Schlammlandschaft“ (etwas übertrieben, aber dieser Bereich lässt sich nicht einfach einmal mit Sand aufkippen, der dann auch dort liegen bleibt) ans Wasser geführt werden müssen? Für das genaue „Wie“ haben wir noch keine Lösung, welche Alternative sich hier anbietet und wie diese auf Akzeptanz stoßen kann. Ein anderer Aspekt ist noch überhaupt nicht ausreichend beleuchtet worden, denn vielleicht steigert gerade ein technisches Bauwerk wie das Pumpspeicherkraftwerk die Anzahl an Touristen bei uns im Stadtgebiet, weil es immer noch eine Attraktion ist, diese zu besichtigen? Wenn diese Besucher einmal bei uns sind, machen sie vielleicht auch genügend andere Umsätze im Stadtgebiet. Neben den bisherigen Untersuchungen sind hier dringend noch weiterführende zu tätigen.

Wie sieht es auch mit den möglichen Steuereinnahmen für die Stadt Nideggen aus? Insbesondere in unserer prekären finanziellen Lage sind auch solche Überlegungen zu tätigen, wenn auch von jedem Euro Gewerbesteuer wohl „netto“ max. 20 bis 30 Cent in Nideggen bleiben sollten. Aber immerhin, selbst bei dieser Betrachtung könnte ein sechsstelliger Betrag jährlich die Stadtkasse „stützen“. Nur lassen wir uns nicht so schnell von ein paar Kommentaren blenden. Hier müssen klare Berechnungen her. Denn bisher weiß niemand, ob und ggf. was das Kraftwerk wirklich einmal an Gewerbesteuern abwerfen wird. Auch haben noch überhaupt keine Verhandlungen der Anrainerkommunen über eine mögliche Verteilung stattgefunden. Hierzu ist es aber zum jetzigen Zeitpunkt auch wirklich noch zu früh.

In der Ratssitzung in Schmidt letzten Monat wurde unsere Forderung nach in der Erde zu verlegenden Stromleitungen noch einmal unterstützt. Mittlerweile gibt es Stimmen aus Schmidt, die einer Überlandverlegung als sicherer Alternative auf Grund jahrelanger Erfahrung im Gegensatz zur erstmaligen (?) Verlegung von Kabeln mit solch hoher Stromführung unter der Erde mehr abgewinnen. Auch hier steht die Meinungsbildung also noch ganz am Anfang. Dies ist aber eben auch nicht dramatisch, stehen wir doch mit diesen Planungen noch am Anfang.

Die oben aufgeführten Fragestellungen begründen, warum DIE UNABHÄNGIGEN zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht endgültig festgelegt sind. Wir sind noch nie nur einem „Mainstream“ gefolgt, weil es gerade für die Gewinnung von Wählerstimmen opportun ist. Wir stellen uns unserer Verantwortung für Nideggen, und dies möglichst mit Weitblick. Zusammenfassend bleibt unsere positive grundsätzliche Einstellung gegenüber dem Bauvorhaben. Mit Fortschreiten des Verfahrens könnte sich diese Meinung selbstverständlich ändern; dann aber auf Grund belastbarer Daten und Argumenten und nicht irgendwelcher teils kurzsichtiger Hysterien.

Die momentanen „Schnellschüsse“ sind vergleichbar mit den zuletzt geführten Diskussionen in der Schulfrage, die mindestens genauso schwer zu beantworten war. Auch dabei war es schwer, den Eltern der jetzigen Schüler von zwei hervorragend funktionierenden Schulformen klar zu machen, dass gerade nur über die Aufgabe dieser beiden Schulen und den Wechsel auf eine beide Formen vereinende Sekundarschule den Bürgern im Stadtgebiet eine ortsnahe Beschulung auch in Zukunft gesichert wird.

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